Die Neuorientierung
Das Osnabrücker Kupfer-und Drahtwerk (OKD)
Am 14. Mai 1890 wird durch einen notariellen Vertrag die Umfirmierung der Offenen Handelsgesellschaft Witte & Kämper zu einer Aktiengesellschaft mit der Firma Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk beschlossen. Das Aktienkapital beträgt 1,2 Millionen Mark; Vorsitzende des ersten Aufsichtsrats wird die Mutter von Hermann Witte, die auch gemeinsam mit ihrem Sohn elf Zwölftel des Aktienkapitals hält. Hermann Witte und Emil Schemmann bilden den Vorstand. Es war vor allem der Initiative Hermann Wittes zu verdanken, daß diese Umfirmierung zustande kam und das Unternehmen, allein durch die Änderung der Rechtsform, erheblich an Ansehen gewinnt. Der Umgang mit den Behörden wird vereinfacht, die Kreditwürdigkeit bei den Banken steigt; Schemmann hat als Vorstandsmitglied in Wirtschaftsverbänden immer größeren Einfluß.
1896 stirbt Hermann Witte, und Emil Schemmann wird zum alleinigen Vorstandsmitglied. Inzwischen sind die OKD-Aktien zum Handel und mit einem Anfangskurs von 113 von hundert zur Notierung an der Berliner Börse zugelassen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Grundbesitz des Unternehmens auf 22.380 m2 gewachsen. Die Jahresproduktion hat 11.000 Tonnen erreicht, und die Belegschaft umfaßt 415 Mitarbeiter.

Das 25jährige Firmenjubiläum im Jahr 1898 wird durch einen Rückschlag getrübt, der leider nur den allgemeinen Trend schwindender Auslandsmärkte bestätigt: Der Kopenhagener Vertreter des OKD beginnt den Aufbau eines eigenen Drahtwerks in Dänemark. Aufgrund der hohen dänischen Import-zölle auf Walzdraht verspricht das Vorhaben einen großen Erfolg. Die Folgen für das OKD bestätigen diese Prognose: Innerhalb kurzer Zeit geht der gesamte dänische Markt verloren.
Das anteilige Verhältnis von Import zu Export hatte sich in den vergangenen Jahren insgesamt radikal verändert. Der Anteil der im Ausland abgesetzten Produkte, während der siebziger Jahre noch bei 75%, beträgt am Ende des Jahrhunderts nur noch ganze 25%.


