Als der gemeinsame Großaktionär des OKD und der Hackethal-Draht- und Kabelwerke die beiden Unternehmen 1967 zur Fusion bewegte, wurden auch zwei Tochtergesellschaften in die neu gegründete kabelmetal eingebracht. Die Geschichte der KME läßt sich also neben dem OKD auf drei weitere Unternehmen zurückführen, die alle um die Jahrhundertwende gegründet wurden und ihre ersten Schritte im Markt aufgrund unterschiedlicher spezieller Voraussetzungen und Fähigkeiten unternahmen.
Elmore’s Metall-Aktiengesellschaft wurde am 7. Oktober 1891 mit Sitz in Köln und Produktionsstandort in Schladern an der Sieg gegründet. Treibende Kraft hinter der Unternehmensgründung war die Londoner Aktiengesellschaft in der Firma Elmore’s German and Austro-Hungarian Metal Company Ltd. Diese Gesellschaft war im Besitz eines vom Deutschen Reich ausgestellten Patentes, woraus alle Nutzungsrechte an das neu gegründete Unternehmen in Deutschland abgetreten werden sollten. Was hatte es mit diesem Patent auf sich?
Die Nutzung der elektrolytischen Kupferausscheidung begann um 1839. Das durch dieses Verfahren gewonnene Kupfer konnte zunächst trotz seiner großen chemischen Reinheit nur durch nochmaliges Umschmelzen, Hämmern und Walzen verwertbar gemacht werden. Der elektrische Strom lieferte das Kupfer nämlich nur in Form mehr oder weniger dicht zusammenhängender kristallinischer Niederschläge, die hart und spröde waren und die von verarbeitungsfähigem Kupfer verlangten Eigenschaften wie Zähigkeit und Festigkeit vermissen ließen. Dieses Problem lösten die Brüder Stanley und Frank Elmore in Leeds (England) nach zahlreichen Versuchen Mitte der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Bei ihrem Verfahren wird das Kupfer während des Niederschlags im elektrolytischen Bad ununterbrochen durch ein glättendes Werkzeug bearbeitet. Dadurch wird nicht nur die gewünschte Materialverdichtung erreicht, sondern auch eine Verzehnfachung der bisher erzielbaren Niederschlagsgeschwindigkeit ermöglicht. Das Verfahren wurde in allen Ländern patentiert und bald in England, Frankreich und Deutschland fertigungstechnisch verwertet.
Die hohe Qualität der von Elmore’s gefertigten Kupferrohre führt das Unternehmen schon bald zum Erfolg. 1894 werden die auf der Weltausstellung in Antwerpen präsentierten Erzeugnisse mit der Silbermedaille ausgezeichnet; sechs Jahre später in Paris folgt mit der Goldmedaille dann die höchste Auszeichnung für Industrieprodukte.
Das elektrolytische Verfahren hatte sich hauptsächlich für die Fertigung besonders großer und schwerer nahtloser Kupfer-rohre sowie zur Verkupferung von Walzen für die Papier- und Textilindustrie bewährt. Zur Herstellung von Rohren mit geringeren Abmessungen war es zu langsam und zu teuer. Um das Produktangebot in diese Richtung zu erweitern, entschloss man sich bei Elmore’s kurz nach der Jahrhundertwende für die zusätzliche Nutzung des Rohrwalzverfahrens nach Mannesmann. Mit dieser Entscheidung verschaffte man sich eine weitere Sonderstellung im Markt: Schon im Jahr 1905 verfügte kein anderes inländisches Kupferrohrwerk über ein ähnlich breites Erzeugnisprogramm elektrolytisch hergestellter sowie nahtlos gewalzter und gezogener Rohre.
In beiden Weltkriegen ist die Elmore’s Metall-Aktiengesellschaft als britischer Besitz wider Erwarten nicht beschlagnahmt und liquidiert, sondern lediglich unter Zwangsverwaltung gestellt worden, was wohl in erster Linie einflußreichen Vorstandsmitgliedern zu verdanken ist. Mit etwas Ironie könnte man auch von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen. Das Unternehmen hatte bereits nach der Jahrhundertwende die deutschen Kriegsmarinewerften beliefert und damit kontinuierlich den Bau der deutschen Hochseeflotte gefördert.
Als die britischen Eigentümer ab 1960 aufgrund ausbleibender Dividenden den Verkauf des Unternehmens erwogen, plante das OKD gerade Investitionen in die Kupferrohrfertigung, um die Marktposition in diesem Produktbereich zu erhalten. So kam es 1962 zur Übernahme der Elmore’s Metall Aktiengesellschaft, die zunächst mit der bestehenden Führungsmannschaft weitergeführt wurde.
Auch die Hackethaldraht-Gesellschaft und spätere Hackethal-Draht- und Kabelwerke Aktiengesellschaft wurde mit dem Ziel gegründet, eine patentierte Erfindung wirtschaftlich zu verwerten. 1876 hatte Alexander Graham Bell mit dem Telefon das Kommunikationsmittel der Zukunft zur technischen Reife entwickelt. Ab 1882, nach anfänglich geringem Interesse für die neue Technik, wurden auch im Deutschen Reich die ersten Fernsprechvermittlungsstellen eingerichtet. Die Leitungen wurden in den ersten Jahren einpolig parallel mit gemeinsamem Erdleiter verlegt, wie aus dem Bereich der Telegraphie bekannt. Innerhalb der Städte führten die -in Ermangelung eines geeigneten Isoliermittels – blanken Drähte über die Hausdächer hinweg, die Fernleitungen waren an den Masten des Telegraphennetzes mit aufgehängt. Dieses Verfahren führte zu erheblichen Übertragungsproblemen: Die Gesprächsverbindungen störten sich aufgrund der Induktion zwischen den parallel verlegten Leitungen gegenseitig; wegen der fehlenden Isolierung waren die Drähte allen korrosionsfördernden Umwelteinflüssen – in den Städten vor allem Rauchgasen durch die damals noch unvollkommene Kohleverbrennung – ungeschützt ausgesetzt. Die großen Ströme in Starkstromleitungen erzeugten in den Fernsprechleitungen auch auf größere Entfernungen unerträgliche Störgeräusche. Kam es zu Berührungen zwischen diesen Leitungsarten, mußten die Fernsprechteilnehmer sogar um Gesundheit und Leben fürchten.
1898 meldete Louis Hackethal, Telegraphendirektor a.D., zwei Erfindungen zum Patent an, die all diese Probleme mit einem Schlag beseitigen sollten. Hackethal hatte sein ganzes Berufsleben der Telegraphie gewidmet und war von Anfang an mit den Problemen der neuen Fernsprechtechnik vertraut. Nach vielen Versuchen fand er heraus, daß aus Faserstoff, getränkt in ein Gemisch aus Mennige und Leinöl, ein hervorragendes Isoliermittel gewonnen werden kann, das den blanken Leitungsdraht nicht nur zuverlässig gegen Korrosion schützt, sondern auch vollständig gegen Starkstrom isoliert.
Mit seiner zweiten Entdeckung konnte das Problem der Übertragungsstörungen vollständig gelöst werden. Hackethal schlug vor, die Leitungen doppelpolig zu verlegen und auf halbem Weg zwischen den Gestängen zu kreuzen. Das Ergebnis war beeindruckend: keine Störungen mehr über eine gemeinsame Erdung; aufgrund der Kreuzung waren Induktionen und somit Beeinflussungen durch andere Leitungen nahezu vollständig ausgeschlossen.
Nachdem Hackethal das Patent ohne Erfolg einigen Kabelwerken zur Verwendung angeboten hatte, fand er in Jakob Berliner, Direktor der Telephonfabrik AG in Hannover, einen interessierten Förderer seiner Ideen. Nach einem Vertragsabschluß mit Hackethal und nahezu weltweiter Patentierung der Ideen gründete Berliner mit seinem Bruder Joseph im September 1900 zunächst die Hackethal-Gesellschaft m.b.H., die 1907 in die Hackethal-Draht- und Kabelwerke Aktiengesellschaft umgewandelt wurde.
Zwar ist die Doppelleitung erst einige Jahre später in abgewandelter Form realisiert worden, aber der „Hackethaldraht“ konnte schon innerhalb kurzer Zeit mit großem Erfolg marktfähig gemacht werden; der Name wurde bald zu einem Synonym für Qualität, für Telefonleitungen ebenso wie in vielen abgewandelten Ausführungen für Schwach- und Starkstromanlagen. Die Erweiterung des Produktprogramms ging mit einem ständigen Ausbau der Fertigungsmöglichkeiten einher, so daß sich das Unternehmen aus der Nische eines sehr spezialisierten Herstellers zu einem Draht- und Kabelwerk mit breitem Angebot entwickelte. Nachdem der Versuch einer Vereinigung mit dem OKD wie erwähnt 1908 gescheitert war, wurde die Kupferdrahtzieherei um ein eigenes Kupferdrahtwalzwerk und später um eine Metallgießerei erweitert. So kam es, daß OKD und Hackethal in einigen Marktsegmenten bis zu ihrer Fusion 1967 miteinander konkurrierten.
Fritz Neumeyer gründete am 1. Oktober 1903 in Nürnberg eine eigene Firma, die 1916 zur Fritz Neumeyer Aktiengesellschaft umfirmieren sollte. Neumeyer hatte schon früh die zukünftige Bedeutung der Motorisierung erkannt. Sein neu gegründetes Unternehmen wurde schon bald zu einem angesehenen Lieferanten der Automobilindustrie. Nach der Entwicklung einer modernen Zieherei für nahtlose Messingrohre und einer Messingrohrpresserei wurden neben Rohren, Blechen und Bändern aus Messing vor allem gepreßte Automobilräder, Messingröhrchen für Automobilkühler sowie Kühler für Kraftwagen- und Flugzeugmotoren gefertigt. Auch über die Aktivitäten dieses Unternehmens hinaus ließ Neumeyer die Kraftfahrzeugtechnik nicht los. Im ersten Weltkrieg gründete er gemeinsam mit dem Industriellen Krupp die Zünder- und Apparatebaugesellschaft, Urzelle der späteren Zündapp-Werke, die unter anderem durch den Bau von Motorrädern bekannt wurde. Neumeyer verfolgte zeitlebens Pläne, einen preiswerten Kleinkraftwagen zu bauen, den er als „Volksauto“ bezeichnete. Einer von mehreren erfolglosen Produktionsversuchen wurde 1931 gemeinsam mit Porsche unternommen. Nach Porsches Zeichnungen und Konstruktionsvorgaben sollten in den Zündapp-Werken Prototypen des „Ur-Volkswagens“ gebaut und getestet werden. Eine Serienfertigung wurde wegen der aufkommenden Konjunkturflaute allerdings bald nicht mehr erwogen. Als später, unter den veränderten politischen Bedingungen im Dritten Reich, der Bau eines Volksautos forciert wurde, konnte Porsche auf die ungenutzten Pläne zurückgreifen und den Volkswagen zur Serienreife bringen.
1920 wurde bei den Hackethal Draht- und Kabelwerken die Errichtung eines Kabelwerkes in Bayern erwogen. Nach Verhandlungen mit der Neumeyer AG, die inzwischen weithin für ihr technisches Know-how berühmt war und über ein geeignetes leerstehendes Werk verfügte, gründete man gemeinsam die Kabelwerk Nürnberg Aktiengesellschaft, die 1922 zur Kabel- und Metallwerke Neumeyer Aktiengesellschaft umfirmierte und zur Tochtergesellschaft der HDK wurde.